„Der moderne Mensch behandelt das Tier vielfach so, als ob er leicht auch ohne es auskommen könnte. In Wirklichkeit sind wir auf vielfältige Weise auf die Tiere angewiesen - mehr als diese auf uns.” (Prof. Dr. Michael Rosenberger)
Heilpädagogische Arbeit mit Hilfe von Tieren
Seit dem Schuljahr 2011/2012 haben unsere Vollzeit-StudentInnen die Möglichkeit, im Rahmen ihres Einzelförderprojekts Erfahrungen mit der tiergestützten heilpädagogischen Arbeit zu sammeln!
Seit einigen Wochen haben wir fünf neue Mitarbeiter: Cassiopeia, Christina, Klaus, Luna und Sebastian sind fünf Schafe, die uns beim neuen Projekt "Tiergestützte Intervention" tatkräftig unterstützen. Neben den Schafen stehen für die Tiergestützte Intervention drei Islandpferde aus der Nachbarschaft sowie mehrere Hasen und Meerschweinchen zur Verfügung.
Die speziell ausgebildeten Tiere sind auch die große Attraktion für fünf Kinder der 2. Klasse der Lauterschule (Freie Schule für Erziehungshilfe in Kirchheim unter Teck). Einmal wöchentlich können die Kinder mit zwei angehenden Heilpädagog/innen auf ganz besondere Weise lernen: Durch intensive Bewegungs- und Sinnesschulung werden die Wahrnehmungsfähigkeiten und damit auch die persönlichen und sozialen Kompetenzen der Kinder gestärkt. Weder im Pferdestall noch im Schafstall steht z.B fließendes Wasser zur Verfügung, das Wasser muss von einem kleinen nahelegenden Bach mit Eimern geschöpft und über einen schmalen Weg zu den Pferden oder Schafen gebracht werden. Auch während der Stallarbeit, bei der Pflege der Kleintiere und Pferde oder beim Reiten selbst können die Kinder vielfältige Sinnes- und Bewegungserfahrungen machen. Diese neuen Erfahrungsimpulse haben einen positiven Einfluss auf das Körperbewusstsein, die gesamte Körperkoordination und damit die Wahrnehmung des Selbst. Schauen, Hören, Tasten, Riechen sind ebenfalls Bestandteil der Arbeit; so wird der Kontakt zu Welt intensiviert. Ein weiteres Ziel ist die Unterstützung im emotional-sozialen Bereich. Selbstwertgefühl und Vertrauen können sich positiv entwickeln. Neue Kommunikationswege sollen kennen gelernt und umgesetzt werden. Dazu gehört, dass das Gegenüber anerkannt und wertgeschätzt wird. Auch das „Feedback“ innerhalb einer Gruppe hilft, feinfühliges und kooperatives Verhalten zu lernen. Aber auch der kognitive Bereich kommt nicht zu kurz: Durchhaltevermögen sowie die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit können sich durch die Tätigkeiten ebenso weiter entwickeln wie Begriffsbildung und Sprachfähigkeit. Fachkenntnisse zur Tier- und Naturwelt werden erworben, und das Thema „Natur- und Tierschutz“ wird auf lebendige und praktische Art vermittelt.
Durch das Projekt können die Studierenden der Fachschule im Rahmen ihrer Praxisprojekte vielfältige Erfahrungen mit der Tiergestützten Intervention in unterschiedlichen heilpädagogischen Arbeitsfeldern sammeln. Die Projekte verfolgen das Ziel, Fach-, Persönlichkeits- und Sozialkompetenzen zu vertiefen und durch gemeinsame Reflektion mit den Lernbegleitern einen Theorie-Praxis-Bezug herzustellen. Neben der Arbeit mit den Kindern der Lauterschule arbeiten die Studierenden in der Frühförderung, der Jugendhilfe sowie der Arbeit mit erwachsenen Menschen mit Unterstützungsbedarf. Ein ganz besonderes Projekt entstand durch eine Kooperation mit dem benachbarten Michael-Hörauf-Stift, einem Alten- und Pflegeheim der Evangelischen Heimstiftung: Tjorven Oeter, Heilpädagogin in Ausbildung, und Dominique Tolo-Litschgy, Heilpädagogin und Reittherapeutin (DKTHR), besuchen mit Beagle Hündin Debby, den Hasen Koko und Blacky und den Meerschweinchen Stupsi und Punkie jeden Donnerstag die Heimbewohner/innen. Bereits in den ersten Wochen ist viel geschehen: Durch die speziell geschulten Tiere ist eine angstfreie Interaktion möglich. Beim Streicheln und Füttern entstehen Körperkontakt und Nähe, so werden Beziehung, Verbundenheit und Selbstwirksamkeit erlebt. Neue Sozialkontakte werden angeregt: Über die Tiere als „Eisbrecher“ kommen die Bewohner/innen miteinander und mit den Projektbegleiterinnen ins Gespräch. Im Austausch über die Tiere und eigene Erfahrungen werden Erinnerungen lebendig und können geteilt werden.
Die fünf Schafe suchen noch Paten! Sprechen Sie uns gerne an!
Dominique Tolo-Litschgy: 07164 94 02 25 oder d.tololi@heilpaed-sem-boll.de
Wir laden Sie herzlich ein zu unserem nächsten Fachtag:
09. -10. März 2012 Tiergestützte Intervention mit Workshops verschiedener Fachleute!
Flyer
Buchtip:
Dr. Carola Otterstedt:
Mensch und Tier im Dialog


